Weltkatzentag am 8. August 2025
Mehr Wildkatzen und strukturreichere Wälder in NRW
Münster – Durch die Entwicklung naturnaher Waldlebensräume unterstützen die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW seit Jahren das Überleben der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) in NRW. So konnte sie sich in vielen Regionen wieder ausbreiten, wo sie schon verschwunden war. Von diesen naturnahen Lebensräumen profitieren auch viele andere Arten. Wo sich die Wildkatze inzwischen wieder heimisch fühlt, belegen Wildkameras und genetische Analysen von Haarproben.
Auf leisen Pfoten durch den Wirtschaftswald
Die Europäische Wildkatze gilt als scheues Tier, das auf naturnahe und störungsarme Wälder angewiesen ist. Wenn man ihr ausreichend Rückzugsräume bereitstellt, kommt sie auch in bewirtschafteten und ausgiebig genutzten Erholungswäldern wie dem Kottenforst bei Bonn vor. Das ist einer der Erfolge von vielen Aktivitäten in den bewirtschafteten Wäldern Nordrhein-Westfalens, um die Waldlebensräume für die Wildkatze attraktiver zu gestalten. Klaus Striepen vom Team Waldnaturschutz von Wald und Holz NRW erklärt dazu: „Die Försterinnen und Förster haben artenreiche Waldwiesen wiederhergestellt, auf denen die Wildkatzen ungestört jagen können. Am Rand von Wiesen wurden strukturreiche Waldränder mit Schlehen und Weißdorn angelegt. Innerhalb von Waldbeständen belassen wir Totholzhaufen und Holzpolter, in denen die Katzen ihre Jungen zur Welt bringen und die sie als Ruheplätze nutzen können. Im Rahmen der Wiederbewaldung wurden in den Auen auch seltene Baumarten wie die Flatterulme und verschiedene Wildobstarten gepflanzt.“
Außerdem gilt die Wildkatze als sogenannte „Schirmart“: Wird ihr Lebensraum aufgewertet, profitieren weitere seltene und gefährdete Arten wie beispielsweise die Haselmaus, Zauneidechse, Gelbbauchunke, der Zaunkönigoder die Bechsteinfledermaus gleich mit.
Den scheuen, wilden Katzen auf der Spur
Vor rund 100 Jahren lebten die letzten Wildkatzen Nordrhein-Westfalens in der Eifel. Doch die wilden Katzen konnten sich inzwischen im Land wieder ausbreiten. Heute leben wieder Wildkatzen im Arnsberger Wald, in der Egge, im Kottenforst und im Rothaargebirge. 2024 konnten mit der bewährten „Lockstabmethode“ zum ersten Mal Europäische Wildkatzen in der Medebacher Bucht nachgewiesen werden. In den Kreisen Höxter und Paderborn konnten die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW die Wildkatze 2024 bereits zum zweiten Mal nachweisen.
Im Arnsberger Wald wurden 2010 die ersten Wildkatzen wiederentdeckt. In diesem Frühjahr haben hier Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW in einem rund 6.500 Hektar großen Waldgebiet insgesamt 250 Lockstäbe aufgestellt und 50 Wildtierkameras an Bäumen befestigt. Angelockt werden die meist nachaktiven Katzen mithilfe von Lockstäben, die die Försterinnen und Förster vorher mit Baldrian eingesprüht haben. Vom Duft der Pflanze „magisch“ angezogen, reiben sich die Katzen an den Holzstäben. Ihre Haare, die sie am Holzstab hinterlassen, werden jetzt gemeinsam mit den Videoaufnahmen ausgewertet. Die Analyse der 120 gesammelten Haarproben übernehmen Wildbiologen vom Senckenberg-Institut. Das vorrangige Ziel ist zu erfahren, ob es sich bei den Katzen um echte Europäische Wildkatzen handelt. Denn manchmal zieht der Baldrian-Duft auch verwilderte Hauskatzen oder andere Waldtiere an. Die Ergebnisse des Monitorings werden voraussichtlich im Herbst erwartet.
„Wildkatzenwälder von morgen“ in NRW
Im bundesweiten Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ kooperiert Wald und Holz NRW mit dem BUND Landesverband NRW, um die Lebensräume der Europäischen Wildkatze zu verbessern, zu sichern und zu vernetzen. Das Projekt wird noch bis Oktober 2028 durch das Bundeprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Es leistet einen Beitrag, um die Wiederausbreitung der Wildkatze voranzubringen und so gleichzeitig die Artenvielfalt sowie die Klimaresilienz der Wälder fördern.