Stürme, Trockenheit, Hitze und der Borkenkäfer – der Wald in NRW leidet unter den Auswirkungen des Klimawandels. Das wird bei jedem Waldspaziergang deutlich. Aber wie geht es dem Wald eigentlich wirklich? Und wie hat sich der Zustand des Waldes in den vergangenen Jahren verändert? Antworten darauf liefert die sogenannte Waldzustandserhebung.
Die Waldzustandserhebung
Seit 1984 untersuchen Fachleute jedes Jahr die Gesundheit des Waldes. Dabei schauen sie sich besonders die Baumkronen an. Je dichter die Blätter oder Nadeln in der Krone sind, desto gesünder ist der Baum. Leider zeigt der langfristige Trend, dass sich der Zustand der Bäume seit 1984 immer weiter verschlechtert. Die Ursachen sind vielfältig: von immissionsbedingten Schäden in den 1980er Jahren über Sturmereignisse bis hin zu den Folgen des Klimawandels wie Hitze- und Trockenperioden, die Insektenvermehrung und vermehrte Waldbrände begünstigen.
Im Jahr 2025 fehlten in den Baumkronen im Durchschnitt fast ein Viertel der Blätter oder Nadeln. Nur 29 Prozent der Bäume in Nordrhein-Westfalen hatten 2025 eine gesunde, dichte Baumkrone. Gering verlichtet waren 37 Prozent, deutlich verlichtet 34 Prozent der Bäume. Kronenverlichtung meint der sichtbare Verlust von Nadeln oder Blättern im Vergleich zu einer voll belaubten Krone.
Auswirkungen von Trockenheit und Hitze
Die Jahre 2018 bis 2020 und 2022 waren besonders heiß und trocken. Das hat den Bäumen stark zugesetzt, wobei verschiedene Baumarten unterschiedlich betroffen waren:
Die Fichte war am stärksten betroffen. Der Orkan Friederike 2018 und die folgenden Hitzejahre (2018 bis 2023) führten zu einer starken Vermehrung des Borkenkäfers, wodurch über 53 Prozent der Fichten geschädigt wurden.
Die Eiche verlor an Vitalität, was sich durch Schäden in der Krone zeigt. Durch die erhöhte Sonneneinstrahlung in die Baumkronen sind die Bäume anfälliger für Insekten wie den Eichenprachtkäfer.
Die Buche leidet in Folge starker Sonneneinstrahlung seit Jahren unter Hitzeschäden an Ästen und Stämmen, besonders in offenen und exponierten Lagen. Durch eine Art Sonnenbrand können Bakterien und Pilze in den Baum eindringen und ihn zersetzen.
Die Waldbäume hatten 2024 und 2025 in NRW genug Wasser zur Verfügung, da es viel geregnet hat und genug Wasser in den Boden gelangt ist. Dennoch erholen sich die Baumkronen nur langsam.
Als Nachwirkungen der überdurchschnittlich heißen und trockenen Jahre 2018 bis 2020 und 2022 sind Schäden an den Feinwurzen entstanden: Sie können oft erst längerfristig ausgeglichen werden. Manchmal können die Bäume sich auch gar nicht regenerieren.
Neuer Wald auf ehemaligen Fichtenflächen
Die vielen abgestorbenen Fichten haben große kahle Flächen hinterlassen. Damit auf diesen bald wieder ein gesunder Mischwald wächst, ist die Wiederbewaldung und Pflege aktuell von besonderer Priorität.
Wie viele Hektar durch sich selbst angesamte Bäumchen, sogenannte Naturverjüngung, und aktive Pflanzungen wiederbewaldet sind, zeigen die Ergebnisse der Wiederbewaldungsinventur.
2024 wurde erstmalig die landesweite Stichprobeninventur zur Wiederbewaldung der seit 2018 entstandenen Kalamitätsflächen durchgeführt.
Seit 2018 sind 127.623 Hektar solcher Flächen entstanden, das entspricht etwa der Hälfte des Saarlandes oder 178.743 Fußballfelder. Bis Juli 2024 wurden rund 59.000 Hektar durch natürliche Verjüngung und aktive Pflanzung wiederbewaldet. Die wiederbewaldete Fläche setzt sich hierbei zu 64 Prozent aus Naturverjüngung (ca. 38.000 Hektar) und 36 Prozent aus Pflanzung (ca. 21.000 Hektar) zusammen.
Im Rahmen der Inventur wurden insgesamt 32 verschiedene Baumarten erfasst. Das zeigt, wie vielfältig unser Wald ist. Besonders häufig sind Fichten (33 Prozent) und „anderes Laubholz mit niedriger Umtriebszeit“ (32 Prozent). Das ist vor allem auf den hohen Naturverjüngungsanteil der Fichte und der Pionierbaumarten Birke und Eberesche zurückzuführen. Pionierbaumarten sind Baumarten, die als erstes auf offenen Flächen wachsen und so den Weg für andere Pflanzenarten bereitet.
Langfristig ist das Ziel, die Wälder widerstandsfähiger gegen Wetterextreme und Schädlinge zu machen. Das fördern wir beispielsweise durch Risikostreuung in standortgerechten Mischwäldern.