Waldspaziergang im RFA Ruhrgebiet

 Lutz Fähser und Uwe Schölmerich stehen in einem Wald. Um sie herum stehen Menschen die ihnen aufmerksam zuhören.

Waldspaziergang im RFA Ruhrgebiet

Unter der Führung der Forstexperten Lutz Fähser und Uwe Schölmerich

25.09.2025

Lünen – Am 18. September 2025 hat das Regionalforstamt Ruhrgebiet (RFA) zu einem besonderen Fach- und Erfahrungsaustausch eingeladen: einem Waldspaziergang im Cappenberger Wald im Forstbetriebsbezirk Werne. Rund 40 Teilnehmende – Forstkolleginnen und -kollegen aus dem RFA, den Kommunen sowie Vertreterinnen und Vertreter des Großprivatwaldes mit eigenem Forstpersonal – folgten der Einladung. Begleitet wurden sie von den beiden erfahrenen Forstexperten Lutz Fähser und Uwe Schölmerich, die die Exkursion durch Fachimpulse ergänzten.

Warum dieser Austausch wichtig ist

Gerade in einer Metropolregion wie dem Ruhrgebiet treffen vielfältige Ansprüche und Erwartungen an den Wald aufeinander: Erholungsraum für die Bevölkerung, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, CO₂-Speicher, Rohstofflieferant, Klimaschützer. Diese Vielschichtigkeit macht die forstliche Arbeit herausfordernd – und verlangt danach, den Blick immer wieder zu weiten.
Der Waldspaziergang sollte genau das ermöglichen: über den Tellerrand schauen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen, Impulse gewinnen und voneinander lernen. Denn klar ist: Konflikte und unterschiedliche Sichtweisen lassen sich nicht durch Ignorieren auflösen. Im Gegenteil – Offenheit, Diskurs und gegenseitiges Verständnis sind der Schlüssel, um im Ballungsraum zukunftsfähige Wege in der Waldbewirtschaftung zu beschreiten.

Auftakt und Einstieg in den Wald

Begrüßt wurden die Gäste von Forstamtsleiterin Meike Steimann, die den Rahmen des Treffens aufzeigte. Anschließend führte Forstbetriebsbezirksbeamter Marco Adamek die Gruppe in den Cappenberger Wald, ein Natura-2000-Gebiet von besonderer ökologischer Bedeutung und Privatwald der FBG Lippe unter Bewirtschaftung des Regionalforstamtes. Forstinspektoranwärter Tim Grothaus stellte die Besonderheiten des Regionalforstamtes Ruhrgebiet vor – von der Lage im dichtbesiedelten Raum bis hin zu den besonderen Herausforderungen im Spannungsfeld von Naturschutz, Erholung und Holznutzung.

Bereits hier wurde deutlich: Wälder im Ballungsraum sind mehr als nur Forstflächen – sie sind stark frequentierte Kulturlandschaften mit besonderen Anforderungen.

Vier Waldbilder – und noch mehr Blickwinkel

Im Zentrum der Exkursion standen vier verschiedene Waldbilder, an Hand derer unter anderem diskutiert wurde:

  • Naturnahe Waldwirtschaft: Wie viel Gestaltung durch den Menschen ist notwendig – und wo sollte man besser den natürlichen Prozessen vertrauen?
  • Wirtschaften unter Schutzgebietsvorgaben: Welche Spielräume bleiben, wenn strenge Auflagen gelten? Und wie lassen sich Naturschutz und Nutzung in Einklang bringen?
  • Forstliches Handeln im Klimawandel: Wie können Wälder stabilisiert werden, um auch in trockenen und heißen Sommern zu bestehen? Welche Rolle spielen Baumartenwahl, Strukturvielfalt und Eingriffshäufigkeit?

Die Diskussionen machten klar: Die Ansätze sind vielfältig. Während die Einen darauf setzen, durch gezielte Eingriffe die Stabilität einzelner Bäume zu sichern, vertrauen andere stärker auf die Dynamik des Gesamtbestandes und greifen über lange Zeiträume gar nicht ein. Auch beim Thema Klimawandel zeigten sich Unterschiede: Die einen bevorzugen eine abwartende Haltung, die anderen setzen auf aktives Einbringen von Vielfalt und Struktur.

Fachliche Vertiefung am Nachmittag

Nach der etwa 3,5-stündigen Exkursion folgte ein gemeinsames Mittagessen, das Raum für persönlichen Austausch bot. Anschließend vertieften Lutz Fähser und Uwe Schölmerich die gewonnenen Eindrücke in einem Kurzvortrag. Beide brachten langjährige Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen und forstlichen Kontexten ein – und zeigten auf, wie vielfältig die Wege in der Waldbewirtschaftung sein können.

Mitgenommenes und offene Fragen

Am Ende des Tages stand fest: Es gibt zahlreiche Unterschiede in der Praxis, aber ebenso viele Gemeinsamkeiten. Die größte Divergenz liegt wohl in der Frage, wie wir mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen: Warten und beobachten – oder aktiv eingreifen und gestalten?

Gleichzeitig einigte man sich auf zentrale Erkenntnisse:

  • Vielfalt in den Wäldern ist ein Gewinn.
  • Es gibt nicht den einen richtigen Weg, sondern eine Bandbreite an Ansätzen, die je nach Standort und Rahmenbedingungen sinnvoll sein können.
  • Der offene Austausch ist unverzichtbar, um voneinander zu lernen.

Und es blieben bewusst offene Fragen, die zum Weiterdenken anregen:

  • Ist weniger manchmal mehr?
  • Sollten wir unsere forstlichen Eingriffe stärker als Störungen begreifen, die den Wald beeinflussen – und wie viel „Störung“ verträgt ein Wald?
  • Wären eigene Referenzflächen in den Revieren hilfreich, um Erfahrungen sichtbar und vergleichbar zu machen?

Fazit

Der Waldspaziergang hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll das Lernen voneinander ist – gerade in einer Region, in der die Ansprüche an den Wald besonders hoch sind. Unterschiede mussten dabei nicht als Widerspruch verstanden werden, sondern können eine Chance sein, neue Perspektiven zu gewinnen.
Damit hat die Veranstaltung genau das erreicht, was sie sollte: Gemeinsam über die Zukunft unserer Wälder nachdenken und dabei den Mut haben, Vielfalt auszuhalten und zu nutzen.

Lutz Fähser und Uwe Schölmerich stehen im Wald und erklären etwas, während die Zuhörer in einem großen Kreis um sie herumstehen.