Lernen mit Kopf, Hand und Herz im Arnsberger Wald

Ein Mann steht auf einer Bühne und spricht ins Mikrofon. Hinter ihm sieht man Bäume und ein Zelt, in dem Personen stehen.

Lernen mit Kopf, Hand und Herz im Arnsberger Wald

Lernort Forest Lab lässt Kinder den Wald mit allen Sinnen erfahren

17.10.2025

Arnsberg – Wenn feuchte Erde unter Kinderschuhen klebt und Hände über raue Stämme und weiches Moos fühlen, dann lernen Kinder den Wald nicht nur von der Schulbank aus kennen, sondern stehen mittendrin. Lernen mit Kopf, Hand, Herz und Verstand – so nennt es Waldpädagogin Lydia Böhm, wenn sie mit Schülerinnen und Schülern im Arnsberger Forest Lab in das Ökosystem Wald eintaucht. Böhm ist als abgeordnete Lehrkraft der Bezirksregierung Arnsberg für Wald und Holz NRW in der Umweltbildung und Waldpädagogik im Einsatz.

Am 9. Oktober feierte das Forest Lab von Wald und Holz NRW seinen ersten großen Family Day. Eingeladen waren alle, die das innovative Umweltbildungsprojekt seit dem Start im Mai begleitet haben – von engagierten Rangern und Försterinnen und Förstern, Waldpädagoginnen und Waldpädagogen über die „AG Ökohelden“ der Realschule der Stadt Meschede bis hin zu Eltern, Lehrkräften und anderen Unterstützerinnen und Unterstützern.

Nach einer Begrüßung durch Lydia Böhm und Ingmar Lohmann von der Wepa Stiftung, die das Projekt initiiert hatte, erwartete die Gäste ganz dem Konzept des Forest Lab entsprechend ein Tag voller Entdeckungen: Kinder bemalten Baumscheiben, gestalteten Holzbrettchen mit dem Brennpeter, backten Stockbrot über dem Lagerfeuer und begegneten dem Wüstenbussard „Jule“ von Förster Toni Vollmer.

Ein Gemeinschaftsprojekt für die Zukunft

Das Angebot ist so groß und vielfältig, dass ein einziger Besuch kaum ausreicht, um alle Möglichkeiten zu entdecken – und genau das ist auch so gewollt. „Wir wollen, dass Kinder nicht nur einmal kommen, sondern regelmäßig den Wald als Lernort erleben“, erklärt Böhm. Das geht zum Beispiel immer donnerstags – am ‚Grünen Donnerstag‘.  Langfristig sollen Kooperationen mit Schulen und Kindergärten entstehen, um ein echtes „Langzeitlernen im Wald“ zu ermöglichen. Dabei geht es nicht um reines Faktenwissen, sondern um Kompetenzen, Erfahrungen und Verantwortung – Böhm spricht von „Spatenkompetenz“, also dem Lernen durch aktives Tun.

Michael Knaup, Leiter der Schwerpunktaufgabe „Wald, Erholung und Tourismus“ bei Wald und Holz NRW, betont die Bedeutung des Miteinanders: „Das Forest Lab zeigt, wie moderne Umweltbildung aussehen kann – praxisnah, begeisternd und gemeinschaftlich. In Zukunft wollen wir das Angebot auf viele Schultern verteilen und weitere Waldpädagoginnen und Waldpädagogen sowie Rangerinnen und Ranger einbinden.“ Ziel sei es, dauerhafte Bildungsnetzwerke mit Schulen und pädagogischen Einrichtungen in der Region aufzubauen. Das Angebot reiht sich damit in die vielfältigen Umweltbildungsaktivitäten von Wald und Holz NRW ein, die Menschen aller Altersgruppen den Wald als Lern- und Erlebnisraum näherbringen.

Begeisterung, die Wurzeln schlägt

Auch Ingmar Lohmann zieht eine positive Bilanz: „Der Klimawandel ist komplex. Mit dem Forest Lab schaffen wir Lernräume, in denen Kinder die Zusammenhänge im Kleinen begreifen – direkt im Wald vor ihrer Haustür. Das stärkt ihre Resilienz und ihre Verbindung zur Natur.“ Das große Ziel: Menschen in den Wald bringen, Begeisterung wecken und so Lobbyarbeit für den Wald leisten.

Das Konzept soll künftig weiterwachsen. Für Arnsberg steht 2026 im Zeichen der Verankerung und Erweiterung: Noch mehr Kinder, Schulen und Familien sollen die Angebote kennenlernen und regelmäßig nutzen. Außerdem sind neue Stationen auf dem Baumvielfaltpfad, einem Waldlehrpfad im Forstamt Arnsberger Wald in unmittelbarer Nähe zum Lattenberg, geplant.

Über das Forest Lab

Das Forest Lab ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wepa Stiftung und Wald und Holz NRW. Es bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, Natur hautnah zu erleben und ökologische Zusammenhänge spielerisch zu verstehen.

Seit dem Start im Frühjahr haben bereits rund 700 Menschen die umweltpädagogischen Angebote besucht. Ob beim Töpfern von Insektentränken, beim Erforschen des Klimas oder beim Basteln mit Naturmaterialien – das Ziel ist immer, den Wald mit allen Sinnen zu erleben. In Arnsberg gibt der Landgasthof Schürmann, auf dessen Gelände das Forest Lab stehen darf, dem besonderen Lernort ein Zuhause – und leistet damit einen wichtigen Beitrag, den Wald erlebbar zu machen.