Gemeinsamer Blick auf den Verbiss
Im Rahmen der diesjährigen Aufnahme für die Verbissgutachten trafen sich Revierleiter Michael Schulz (FBB Lage) und Dr. Martin Dürholt (Vorsitz FBG Kalletal) in den angrenzenden Jagdbezirken Ehrsen-Breden und Oberwüsten bei Bad Salzuflen.
Michael Schulz erklärte die Erhebungsmethode für das Verbissmonitoring, auf dem das Verbissgutachten beruht und führte sie an zwei Aufnahmeflächen exemplarisch vor. Im Fokus steht der frische Winterverbiss am Leittrieb junger Bäume, die unseren zukünftigen Wald mitbilden sollen und somit eine waldbauliche Relevanz haben.
In der Winterzeit ist das Nahrungs- und Deckungsangebot für viele Wildarten reduziert. Der Verbiss von jungen Bäumen ist ein natürlicher Bestandteil der Nahrungskette im Waldökosystem. Problematisch wird es, wenn ein überhöhter Wildbestand auf ein knappes Angebot an äsbarer Vegetation stößt. Die von Menschen gestaltete Landschaft ist nicht nur in der Vegetation verändert, sondern auch bezüglich des Artenspektrums an Raubtieren, die für Rehwild und deren näheren Verwandten gefährlich werden kann. Die steuernde Größe für ein Gleichgewicht ist hier der jagdausübende Mensch.
Das Verbissgutachten zeigt objektiv auf, ob ein Problem dabei besteht, die Verjüngung des Waldes erfolgreich zu etablieren. Im erhöhten Abschuss kann die Lösung liegen, aber manchmal können auch andere Dinge dazu beitragen, dass Waldbau ohne investitionsintensivenWildschutz gelingen kann. Dazu gehören beispielsweise Ruhezonen für das Wild im Winter, denn dessen Organismus ist auf die Nahrungsknappheit in dieser Jahreszeit eingestellt. Wird es in dieser Zeit beunruhigt, dann fährt es den Stoffwechsel hoch und verbraucht seine Reserven. Da ist Hunger eine logische Konsequenz. Unterschiedlich bestellte Offenlandflächen, breite Waldinnen und -außenränder sowie Wildwiesen oder Prossholzflächen schaffen Abhilfe. Besonders zielführend ist es, wenn der Bejagungsschwerpunkt auf den Verjüngungsflächen liegt. Dieser Objektschutz hat auch eine vergrämende Wirkung.
„Ich begehe mit den interessierten Jägern die relevanten Flächen und wir schauen gemeinsam, wo es funktioniert und wo noch Handlungsbedarf besteht. Die jagdliche Infrastruktur plane ich konsequent bei den Verjüngungsflächen mit ein, zum Beispiel durch das Offenlassen von Schussschneisen. Das Aufstellen jagdlicher Einrichtung an den Brennpunkten unterstütze ich auch mit Holz aus dem eigenen Wald, als Baumaterial“, erklärt Dr. Martin Dürholt sein strategisches Engagement, bei dem Wald- und Jagdwirtschaft harmonisiert werden sollen.
Vor Ort im Wald wurde einvernehmlich festgestellt, dass die Kommunikation zwischen Waldbesitzenden und Jagenden und das gemeinsame Ziehen an einem Strang der Schlüssel zum Erfolg ist. Wenn das Verbissgutachten dazu beiträgt, dann ist schon viel gewonnen.
Autor: Michael Schulz, Wald und Holz NRW