Die Referentinnen und Referenten des Arnsberger Waldforums 2027 v.l.n.r: Heiner Heile (ZWH), Dr. Alexander Marx (ZWH), Prof. Dr. Henrik Hartmann (JKI), Dr. Luise Fröhlich (MLV), Mariel Kleeschulte (Kleeschulte eco consult GmbH), Dr. Carolin Stiehl (ZWH), Monika Runkel (Forstamt Hachenburg), Dr. Gregor Aas (Uni Bayreuth), Thomas Wälter (Leiter ZWH), Tim Scherer (Leiter Wald und Holz NRW), Daniel Hartmann (Forstchef NRW), Prof. Dr. Pierre Ibisch (HNE), Dr. Christin Carl (ZWH)
Fitte Bäume – Coole Wälder
17. Arnsberger Waldforum: Wissen, Erfahrung und Mut für zukunftsfeste Wälder in NRW
Arnsberg – Beim diesjährigen Arnsberger Waldforum kamen im Campus der Stadtwerke Arnsberg zahlreiche Expertinnen und Experten, Forschende, Waldbesitzende und Praktikerinnen und Praktiker aus NRW und ganz Deutschland zusammen, die sich täglich für das Bestehen der Wälder im Klimawandel engagieren. Sie alle blicken in die gleiche Richtung: In den letzten Jahren sind der Klimawandel und damit seine Auswirkungen auf die Waldökosysteme deutlich dynamischer geworden. Das Wasser ist im Klimawandel die entscheidende Ressource für das Überleben der Wälder und damit für den Erhalt ihrer Funktionen.
Eingeladen hatte das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft (ZWH), die Einrichtung für Forschung und Wissenstransfer von Wald und Holz NRW.
Wälder wasserstark machen
Das Wasser mit seinen Bewegungen im Ökosystem ist der zentrale Faktor für den Erhalt der Wälder. Bei der Pflege und Gestaltung der Wälder wird die Wasserverfügbarkeit immer wichtiger. Das ergänzt die praktische Arbeit im Wald.
„Wir wissen viel über die grundlegenden Zusammenhänge zwischen den Wasserkreisläufen und unseren Wäldern und ihrer Gesundheit. Dieses Wissen müssen wir jetzt mit der Erfahrung aus der Praxis im Wald zusammenbringen. Es entstehen hier viele neue Ideen. Für deren Umsetzung brauchen wir auch Mut und Offenheit“, erklärte Dr. Christin Carl, Leiterin des Teams Wald- und Klimaschutz im ZWH.
Gemeinsam mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW entwickelt das ZWH von Wald und Holz NRW ein Fachkonzept zum Wasserrückhalt im Wald mit speziellem Kartenmaterial und konkreten Maßnahmensteckbriefen, um Waldbesitzende bei der Planung von Maßnahmen auf ihren Waldflächen zu unterstützen. Das Know-how ist für den Erfolg entscheidend. Fachinformationen und Erfahrungswerte aus bereits laufenden Projekten in NRW (Projekt „Schwammwald“ im Arnsberger Wald und „WaldAktiv“ im Kreis Siegen-Wittgenstein) sowie aus nationalen Projekten und wissenschaftlichen Ansätzen werden gebündelt.
Monika Runkel, Leiterin des Forstamts Hachenburg und des Waldbildungszentrums der Landesforsten Rheinland-Pfalz, zeigte beim Arnsberger Waldforum einige Praxisbeispiele für Maßnahmen, die mehr Wasser länger im Wald halten können. Eine ihrer wichtigsten Botschaften: Wer das Problem vor Ort verstehen will, muss bei Regen in den Wald gehen und genau beobachten, wie und wo das Wasser wegfließt und dann einfach anfangen, Maßnahmen umzusetzen.
Mehr Vielfalt braucht mehr Entscheidungen
Die verstärkte Dynamik bei der Entwicklung unserer Wälder verändert auch das Arbeiten im Wald deutlich. Das Nutzen natürlicher Prozesse im Wald kombiniert mit gezielter und bedarfsorientierter Pflege und Ernte sind hier der Schlüssel für die Verbesserung der Waldresistenz und die Entwicklung struktur- und artenreicher Wälder.
„Der Klimawandel wartet nicht auf unsere Entscheidung. Auch ein Nicht-Handeln hat Konsequenzen“, verdeutlichte Dr. Carolin Stiehl, Leiterin des Teams Waldbau im ZWH.
Beobachtungen und Dynamiken des Klimawandels in NRW
Seit dem Ende des 19. Jahrhundert ist die Jahresmitteltemperatur in NRW um rund 2° C angestiegen. Der starke Anstieg verlängert unter anderem die Vegetationszeit insgesamt. Sie ist innerhalb der letzten 40 Jahre rund 10 Tage länger geworden. Die mittleren Niederschläge schwanken stark von Jahr zu Jahr. Die Trockenphasen ohne Niederschläge werden in der Vegetationszeit länger und die Anzahl der Hitzetage hat zugenommen. Es kommt zudem häufiger zu Extremereignissen: Trockenheitsphasen und Hitze sowie punktueller Starkregen.
Hitze und Trockenheit wirken sich während der Vegetationszeit, wenn Schutz- und Kühlungsmechanismen reduziert sind, massiv negativ auf die Gesundheit der Vegetation und damit vor allem der Wälder aus.
Walderhalt als Generationenaufgabe
In der Podiumsdiskussion wurde der Blick aus dem Waldbesitz durch Eberhard Freiherr von Wrede, Vorsitzender des Waldbauernverbands NRW, eingebracht und die finanziellen und ökologischen Verluste der letzten Jahre sowie die wirtschaftliche Fokussierung für die Zukunft betont. Prof. Dr. Gerrit Bub, FH Südwestfalen, ergänzte die Zusammenführung von Wissen und Praxis. Monika Runkel als Forstamtsleiterin fokussierte die ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung zur Nutzung des wertvollen Rohstoffes Holz. Heinz Kowalski, NABU, zeigte die Perspektive des NABU auf und hob die Ökosystemleistungen hervor, die bewertet und monetarisiert werden müssen. Prof. Dr. Pierre Ibisch, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, und Prof. Dr. Henrik Hartmann, Julius-Kühn-Institut, ordneten unser Handeln heute und deren Bedeutung für nachfolgende Generationen ein. Die Teilnehmenden der Diskussion brannten für ihre jeweiligen Standpunkte und haben dennoch die Impulse aller aufgenommen.
Eine starke Handlungsfähigkeit – trotz unterschiedlicher Auffassungen – ist in Zeiten zunehmender Unvorhersehbarkeiten mit verheerenden Auswirkungen (Dürre, Hitze, Feuer, Starkregen und Kalamitäten) die Voraussetzung für krisenresistente Waldentwicklung.
„Für diese krisenresistente Waldentwicklung brauchen wir breite gesellschaftliche Allianzen für den Wald. Denn Walderhalt im Klimawandel ist eine Generationenaufgabe“, resümiert abschließend Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW.