Bienenfreundliche Waldränder

Ein Blick auf einen bienenfreundlichen Waldrand mit Ginster, Kirsche, Vogelbeere und Holunder.

Bienenfreundliche Waldränder

Wertvoller Lebensraum zum Schutz unserer Wälder

19.05.2026

Münster – In den Gärten, Wiesen und Wäldern Nordrhein-Westfalens werden viele bestäubende Insektenarten seltener – insbesondere Wildbienen, Hummeln und andere Insekten, die für Natur und Mensch eine bedeutende Rolle spielen. Sie bestäuben einen Großteil aller Wild- und Nutzpflanzen und tragen damit wesentlich zur Artenvielfalt bei. 

Die Honigbiene ist bereits seit Jahrhunderten eng mit dem Menschen verbunden. Doch neben ihr dürfen die Wildbienen und Hummeln nicht vergessen werden: Rund 560 verschiedene Arten sind in Deutschland heimisch. Viele von ihnen sind bereits schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv - im Gegensatz zur Honigbiene - und übernehmen damit im frühen Frühjahr und auch bei schlechtem Wetter eine wichtige Aufgabe als Bestäuber, zum Beispiel während der Obstblüte.

Blütenreiche Gärten können Insekten wertvollen Lebensraum bieten. Doch auch Waldränder spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Lebensräume für Bienen und viele weitere Insektenarten zu schaffen. Gerade in den durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigten Waldgebieten gibt es jetzt die Möglichkeit, diese naturnah und insektenfreundlich zu gestalten.

Kreative Waldrandgestaltung stärkt Artenvielfalt

Wie das Nahrungsangebot für Insekten verbessert werden kann, weiß Petra Knoop. Sie ist Försterin von Wald und Holz NRW und Expertin für naturnahe und insektenfreundliche Waldrandgestaltung. „Es ist wirklich spannend, was wir mit einem artenreichen Waldrand ganzjährig erreichen können.“ sagt Knoop. Die Försterin im Forstamt Kurkölnisches Sauerland beschäftigt sich mit der Frage, wie Waldränder ökologisch aufgewertet werden können.

Damit sich Bienen, andere Insektenarten und auch Vögel am Waldrand wohlfühlen, braucht es eine vielfältige Mischung aus standortgerechten, insektenfreundlichen Bäumen und Sträuchern. Besonders geeignet sind beispielsweise Vogelkirsche, alle Weidenarten, Sommer- und Winterlinde, sowie alle Ahornarten. Ergänzt werden können diese durch heimische Sträucher wie Weißdorn, Schlehdorn, Haselnuss, Hundsrose, Kornelkirsche, Faulbaum und Schwarzen Holunder.

Blühendes „Trachtfließband“ vom Frühjahr bis zum Herbst

Bei der Auswahl der Gehölze spielen verschiedene Kriterien eine Rolle: gebietsheimisches und standortangepasstes Vorkommen, Blühzeitpunkt, Nektar- und Pollenangebot sowie eine mögliche Honigtauproduktion. Fachleute sprechen hierbei von einem sogenannten „Trachtfließband“. Durch die Kombination verschiedener Gehölze mit unterschiedlichen Blühzeiten entsteht vom Frühjahr bis in den Herbst hinein ein durchgängiges Angebot an Nektar und Pollen bis hin zur Fruchtbildung.

Auch Nadelbäume tragen ihren Teil dazu bei: Fichten, Tannen, Kiefern und Lärchen können von Rinden- und Schildläusen besiedelt werden, welche Honigtau produzieren. Diesen sammeln neben den Ameisen auch unsere Honigbienen und verarbeiten ihn zu Waldhonig.

Besonders wertvoll für Insekten sind heimische Straucharten mit hohen Nektar- und Pollenwerten. Dazu zählen unter anderem alle Weidenarten oder wilde Himbeeren und Brombeeren.

Naturnahe Waldränder bieten viele Vorteile

Natürlicherweise beginnt ein Waldrand mit einem krautigen Saum. Darauf folgen halbhohe Sträucher und anschließend Bäume zweiter Ordnung wie Wildobstgehölze oder Weiden. Idealerweise besitzt ein solcher Waldrand eine Tiefe von 15 bis 30 Metern, aber auch schmalere Waldinnenränder sind besser als gar keine Waldränder. Es sollten dabei jeweils Gruppen von zehn bis zwanzig Pflanzen einer Art gesetzt werden.

Wichtig bleibt zudem der Schutz der jungen Pflanzen vor Wildverbiss. Bei Dornensträuchern ist ein zusätzlicher Schutz häufig nicht erforderlich, dennoch sollte in den ersten Jahren möglicher Wildverbiss regelmäßig kontrolliert werden.

Neben ihrem ökologischen Wert bieten kreativ gestaltete Waldränder aber auch noch weitere Vorteile: blühende Sträucher verbreiten meist einen angenehmen Duft und sind eine optische Freude, Wildfrüchte sind in unserer Küche kreativ nutzbar, Hecken mindern die Wirkung starker Winde und die Verkehrssicherung entlang angrenzender Verkehrswege bis hin zur Besucherlenkung kann erleichtert werden.